Österreich – Ungarn





 

 

Militärischer Maria Theresien-Orden (MMTO)

 

Gestiftet am 18. Juni 1757 durch Kaiserin Maria Theresia am Tage der Schlacht bei Kolin in zwei Klassen: Großkreuz und Ritterkreuz. Großmeister dieses Ordens wurde der römische Kaiser Franz I. und nach seinem Ableben der jeweilige Herrscher des Hauses Österreich. Der Orden war bestimmt für vorzügliche Tapferkeit vor dem Feinde, insbesondere zur Belohnung freiwillig übernommener und erfolgreich durchgeführte Wagnisse, Angriffe  und herzhafter Taten, die jeder Offizier von Ehre ohne Vorwurf hätte unterlassen können. Die Statuten bestimmen, dass zwar nur ein Offizier Ordenritter sein könnte, Religion, Nationalität und vornehme Herkunft aber keine Rolle spielen würde. Allein die Tapferkeit vor dem Feind sollte bei der Beurteilung der Verleihung entscheidend sein. Das Ordenskapitel müsste die Taten der einzelnen vorgeschlagenen Kandidaten in der Weise prüfen, dass nur „die Besten unter den Allerbesten“ Mitglieder des Ordens würden. Durch die Verleihung des Ordens wurde dessen Inhaber in den erblichen Ritterstand, beim Großkreuz in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Im Todesfall mussten auch die Hinterbliebenen das Ordenszeichen dem Kapitel zurückstellen, um dieses für neu ausgezeichnete Personen weiterverwenden zu können.

 

Nach dem Ableben von Kaiser Franz I. bestieg Joseph II. 1765 den Thron, übernahm damit das Großmeisteramt des Ordens und erweiterte ihn um die Klasse des Kommandeurs. Zu neuen Kommandeuren des Ordens wurden diejenigen Ritter ernannt, welche auch nach der Verleihung des Ritterkreuzes außerordentliche Taten vollbracht hatten, aber für eine Verleihung des Großkreuzes nicht für würdig befunden waren.

 

In den Jahren 1757 bis 1931 wurden 50 Kapitel abgehalten, von denen insgesamt 26 Großkreuze, 44 Kommandeure und 759 Ritter zuerkannt wurden. Von den Ordensgroßmeistern selbst wurden insgesamt 20 Großkreuze, 67 Kommandeurkreuze und 153 Ritterkreuze, dazu noch an Ausländer 15 Großkreuze, 29 Kommandeurkreuze und 127 Ritterkreuze verliehen; somit wurden insgesamt 61 Großkreuze, 140 Kommandeure und 1.039 Ritter zuerkannt.

 

Das Kommandeurkreuz konnten Korps-Kommandanten und Kommandanten einer Flotten- oder selbstständig operierenden Truppendivision, ebenso die Kommandanten eines bedeutenden Waffenplatzes erhalten, falls sie zum Gewinn einer Hauptschlacht oder zur Verteidigung der Hauptarmee beitrugen; desgleichen konnten Generalstabs-, Artillerie- und Genie-Chefs des Armee-Oberkommandos und der Armeekommandanten als auch der Stabchef des Flottenkommandanten durch hervorragend ersprießliche Ratschläge und erfolgreiches geistiges Eingreifen in wichtige Phasen des Kampfes das Kommandeurkreuz erlangen.

Bei dem hier beschriebenen Kommandeurkreuz handelt es sich zweifelsfrei um ein Exemplar aus dem 1. Weltkrieg. Insgesamt sind für Verdienste im Weltkriege 10 Kommandeurkreuze verliehen und zuerkannt worden. Bei den Beliehenen handelt es sich neben dem preußischen Generaloberst Helmuth v. Moltke um folgende Personen:

 

  • Feldmarschall Svetozar Boroevic v. Bojna in der 176. Promotion (02.06.1917) als Kommandant der 5. (Isonzo-) Armee für Operationen am Isonzo 1915 bis 1917;
  • Feldmarschall Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli in der 179. Promotion (28.07.1917) als Heeres-

            gruppenkommandant für Operationen in Ostgalizien im Juni 1917;

·         Generaloberst Viktor Graf Dankl. v. Krasnik in der 180. Promotion (17.08.1917) als Kommandant der 1. Armee für Krasnik im August 1914;

  • Generaloberst Arthur Baron Arz v. Straußenburg in der 180. Promotion als Kommandant des VI. Korps für Limanowa  und Lapanow im Dezember 1914 und für Gorlice und Brest-Litowsk von Mai bis August 1915, dann als Kommandant der 1. Armee für Operationen gegen Rumänien 1916;
  • Feldmarschall Hermann Baron Kövess v. Kövessháza in der 180. Promotion als Kommandant des XII. Korps für Iwangorod im August 1915, dann als Kommandant der 3. Armee für Operationen in Serbien, Montenegro und Albanien 1915 und 1916;
  • Feldmarschall Erzherzog Joseph in der 180. Promotion als Kommandant des VII. Korps für die 2., 3. und 4. Isonzoschlacht 1915, dann als Herresfrontkommandant für Operationen in der Bukowina 1916 und 1917;
  • Großadmiral Anton v. Haus in der 181. Promotion (27.10.1917) als Marine- kommandant für Verdienste von Kriegsbeginn an;
  • Generaloberst Karl Freiherr von Pflanzer-Baltin in der 185. und 188. Promotion (02.10.1918 / 12.10.1921) als General der Kavallerie und Armeegruppenkommandant bzw. Kommandant der 7. Armee für die Verteidigung der Karpathenfront von Uzsok bis Dorna Watra im Oktober und November 1914 und für die Operationen zur Wiedereroberung der Bukowina und Ostgalizien 1915 und 1916, dann für die Führung der Armeegruppe in Albanien vom 15.07 bis 27.09.1918.
  • Generaloberst Alois Fürst Schönburg-Hartenstein in der 193. Promotion (25.10.1927) als General der Kavallerie und Kommandant eines kombinierten Korps für Monte San Gabriele vom 29.08. bis 24.10.1917.

 

Wie sich anhand dieser Aufstellung erkennen lässt, war das Kommandeurkreuz des MMTO einem äußerst exklusiven Kreis der bedeutendsten österreich-ungarischen bzw. preußischen Militärs vorbehalten.

Das hier angebotene Prachtexemplar in hervorragender Erhaltung ist somit eine der seltensten Tapferkeits-auszeichnungen des 1. Weltkrieges.